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Friedhof Ohlsdorf: Mitarbeiter von Gasnetz Hamburg legen alte Gedenkstätte frei

Gedenkstätte im Jahr 1910

• Gedenken an Gasometer-Brand auf Großem Grasbrook im Jahr 1909
• Historisches Grabmal auf Ohlsdorfer Friedhof instand gesetzt
• GNH-Geschäftsführer Bottlaender spricht zum 109. Jahrestag


Hamburg-Ohlsdorf.
40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Gasnetz Hamburg haben an sechs Arbeitstagen eine historische Gedenkstätte auf dem Ohlsdorfer Friedhof freigelegt und in ihren Originalzustand zurückversetzt. Eine vom Unternehmen gestiftete Bank lädt zum Verweilen ein. Hintergrund dieser Aktion ist der 109. Jahrestag eines folgenschweren Unglückes in der damaligen Hamburger Gasanstalt auf dem Großen Grasbrook. Im Jahr 1909 waren dabei 20 Menschen ums Leben gekommen. Während einer Feierstunde dankte jetzt Udo Bottlaender, Technischer Geschäftsführer der städtischen Gasnetz Hamburg GmbH, allen Mitwirkenden für die Arbeit an der historischen Stätte.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war das Gasnetz eine hochmoderne Errungenschaft für die Industrie und Bürger Hamburgs. Es versorgte Gewerbe und Fabriken, beleuchtete Straßen und wärmte Wohnungen. Ab 1844 war das Stadtgasnetz in der Hansestadt schnell gewachsen, Europas größter Gasbehälter auf dem Großen Grasbrook sollte Vorräte vor allem für die kalten Tage anlegen. Doch nur zehn Tage nach seiner Inbetriebnahme, am 7. Dezember 1909, ereignete sich beim Befüllen des Behälters eine Katastrophe: Gegen 15 Uhr brachen schwach dimensionierte Eisenträger. Wassermassen aus dem Bassin im Fundament des 71 Meter hohen Gasometers überfluteten das Werksgelände, gespeichertes Stadtgas geriet in Brand. 20 Gas-Arbeiterinnen und -Arbeiter starben. 50 weitere Mitarbeiter wurden verletzt.

Für 16 der 20 Opfer, die nicht in Familiengräbern beigesetzt wurden, schufen die Gaswerke auf dem Ohlsdorfer Friedhof eine rund 70 Quadratmeter umfassenden Grabanlage. Sie war Gedenk- und letzte Ruhestätte zugleich. Zwei Weltkriege und viele Jahrzehnte brachten die historische Stätte in Vergessenheit. Die Grabtafeln zusammengelegt und der Gedenkstein unter Moos und Sträuchern eingewachsen - so entdeckte 2017 eine Hamburger Bürgerin die Gedenkstätte. Sie recherchierte im Staatsarchiv und übergab ihre Erkenntnisse der Geschäftsführung des heutigen Gasnetzbetreibers. Bei Gasnetz Hamburg fanden sich schnell 40 Freiwillige, um die Gedenkstätte in ihren Ursprungszustand zurück zu versetzten. Gemeinsam mit der städtischen Gesellschaft Hamburger Friedhöfe studierte das Team alte Pläne und Fotos. Originalgetreu legten die Gasnetz-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter den Mittelweg aus Glensanda-Granitschotter neu an, restaurierten mit einem Steinmetz die 16 Grabplatten und verlegten sie zurück an ihre historischen Orte. Mit einer Eiben-Hecke eingefriedet, setzt sich der zentrale Gedenkstein jetzt von der in unmittelbarer Nachbarschaft gelegenen Gärtnerei 7 ab, die zum Bauzeitpunkt der Gedenkstätte 1909 noch nicht bestand. Zwischen den Grabsteinen pflanzte das Team weißes Immergrün und Vergissmeinnicht sowie zwei Rhododendron-Stauden. Die Freiwilligen leisteten rund 300 Arbeitsstunden, tauschten mehr als zehn Kubikmeter Erde aus und waren mit Schubkarren, aber auch mit Minibagger und Lkw vor Ort.

„Der Einsatz unserer Kolleginnen und Kollegen ist ein Zeichen gesellschaftlichen Respekts vor Hamburgs Geschichte“, betonte Udo Bottlaender, Technischer Geschäftsführer der Gasnetz Hamburg GmbH. „Der berühmte Ohlsdorfer Friedhof ist ein Ort des Gedenkens, der uns auch zu unternehmerischer Verantwortung gegenüber Mitarbeitern und Gesellschaft mahnt. In diesem Sinne wollen wir mit dem Gedenken an die 20 Verunglückten von 1909 unsere Verbundenheit mit der tief in Hamburgs Tradition verwurzelten Geschichte unserer Vorgängerunternehmen ausdrücken.“

„In der wechselvollen Geschichte der Hamburger Gasversorgung drohte der Traditionsfaden und die Besinnung auf die Grabstätte für die Grasbrook-Opfer aus dem Jahr 1909 verloren zu gehen“, sagt Carsten Helberg, Geschäftsführer der Hamburger Friedhöfe. „Umso erfreulicher ist es, dass er nun von der Gasnetz Hamburg GmbH aufgenommen und die Grab- und Gedenkstätte wieder hergestellt wurde. Das verdient Respekt.“

Kokereien, in denen aus Kohle Stadtgas gewonnen wurde, um es in Gasometern bereit zu halten, sind Geschichte; ebenso die Gasanstalt auf dem Großen Grasbrook. Die Fläche ist heute Teil der HafenCity, das Gasnetz transportiert längst Erdgas und Bio-Erdgas. Dennoch setzten sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gasnetz Hamburg GmbH für einen Gedenkort ein, der eng mit der frühen Entwicklung der Gasversorgung in Hamburg verknüpft ist. Die Grabanlage liegt bei Kapelle 7 und Gärtnerei 7 in den Koordinaten AF 19 des Friedhofsplans.

Feierstunde auf dem Ohlsdorfer Friedhof: Gasnetz Hamburg Geschäftsführer Udo Bottlaender (von links), Friedhofs-Betriebswirtschaftsleiter Hartmut Völzke sowie Gärtnermeisterin Anne-Katrin Böttcher-Kirch übergaben gemeinsam mit der Hamburgerin Cordula Jacob und dem Geschäftsführer der Hamburger Friedhöfe, Carsten Helberg die restaurierte Gedenkstätte der Öffentlichkeit.